Archiv der Kategorie: Familientherapie

Herbst-Blues, Corona-Blues, Umbruchphase, Liebeskummer, Neuorientierung, Sinn-Krise

… viele Begriffe für ein ähnliches Gefühl. Sie fühlen sich leer, orientierungslos, traurig, antriebslos und unmotiviert? Die Gedanken kreisen, der Akku ist leer und Sie wissen nicht, wie es weiter gehen soll? Für eine schnelle, kurzfristige Hilfe haben wir hier fünf Tipps zusammengestellt:

1.  Bewegung

Am besten an der frischen Luft. Da reicht schon ein Spaziergang im Park oder Wald – das geht zum Glück auch ohne Maske. Oder Sie tanzen zu Ihrer Lieblingsmusik oder machen einen You-Tube Yoga Kurs. Egal was, aber beanspruchen Sie mal wieder Ihren Körper und gönnen Sie Ihrem Kopf eine Pause.

2. Tageslicht

Versuchen Sie so viel Tageslicht wie möglich zu erhaschen. Auch ein bewölkter Himmel ist noch 1000mal heller als die normale Innenbeleuchtung.

3. Gesellschaft

Gehen Sie unter Leute – in diesen Tagen natürlich lieber ein Spaziergang zu zweit oder ein gemeinsames Online-Treffen mit Videochat in beliebiger Anzahl.

4. Lachen

Lachen Sie wenigstens einmal täglich herzlich oder probieren Sie es wenigstens mit einem Lächeln. Schon allein die Aktivierung der Lachmuskeln führt zur Ausschüttung von Glückshormonen. Man sagt nicht umsonst: Lachen ist gesund!

5. Journaling

Schreiben Sie Ihre Gedanken und Gefühle ganz frei in ein Tagebuch. Gehen Sie quasi in einen Dialog mit sich selbst. Oft ordnen sich die Gedanken dabei und neue Ideen und Lösungen entstehen wie von selbst.

Fünf Fliegen mit einer Klappe

Gehen Sie mit einem guten Freund oder einer guten Freundin im Park spazieren und holen Sie mal wieder die alten Fritzchen-Witze raus. (Zur Auffrischung: Lehrerin: “Fritzchen, nenne mir bitte fünf Tiere aus Afrika!” Fritzchen: “Zwei Löwen und drei Elefanten.”) Klar ist das albern, aber Sie werden in Bewegung, bei Tageslicht, in guter Gesellschaft zumindest mal ein wenig Schmunzeln. Wieder zu Hause, können Sie bei einer schönen Tasse Tee Ihre Gedanken in Ihr Tagebuch schreiben.

Und falls diese Tipps nicht ausreichen und Ihre Krise mehr Hilfe bedarf, dann kommen Sie zu uns! Wir bieten Ihnen professionelle Beratung und Coaching in allen Lebenslagen. Oft reichen schon 1-2 Sitzungen und Sie sind wieder auf dem richtigen Weg. Oder wir begleiten Sie langfristig, gern auch zusammen mit Ihrem Partner, Ihrer Partnerin oder der Familie.

Von Dr. Kerstin Mayer-Carius

Quelle: https://pixabay.com/de/photos/herbst-allee-weg-laub-baum-3186876/


Partnerschaft trotz Generation Y?

Die Feststellung, dass eine ganze Generation der Liebe nicht fähig sein soll, liegt gerade im Trend. Meistens geht es dann um die Generation Y. Ob erfundenes Konstrukt oder nicht, dieser Begriff spukt in einigen Köpfen über Menschen, die zwischen 1980 und 1995 geboren wurden.

Was ist aus der Generation der eine Millionen Möglichkeiten bezüglich dem großen Begriff Liebe geworden? Autoren wie Michael Nast diagnostizieren ihr Beziehungsunfähigkeit. Damit füllt er Hallen. Thirtysomethings jubeln, wenn er sagt, sie würden vor lauter Selbstinszenierung, Selbstoptimierung und Selbstverwirklichung an der Liebe scheitern. Statt Haus, solide Partnerschaft, Kind und Hund wie die Eltern, hat die Generation Y Fitnessstudio-Verträge, Tinder-Dates, lässige Jobs und Selfies. Findet Anklang. Jedoch etwas platt.

Das statistische Bundesamt ist da etwas romantischer: Die Scheidungsrate in Deutschland sinkt seit 2004, Ehen halten zwei Jahre länger als noch vor zwei Jahrzehnten. Was die Generation Y jedoch im Moment treibt, wird erst in einigen Jahren in den Statistiken zu lesen sein. Vielleicht durchbricht sie ja tatsächlich den Trend der sinkenden Scheidungsraten, vielleicht halten ihre Ehen nur bis zum nächsten Tinder-Date.

Die Frage ist, warum eine klassische Partnerschaft mit Liebe und Treue bis ans Lebensende, wie sie übrigens der Generation Y meistens schon nicht mehr vorgelebt wurde, nicht mehr unbedingt als Jackpot unter den Beziehungsformen gilt?

Wahrscheinlich bieten sich schlicht mehr Möglichkeiten. Millionen Möglichkeiten, die alle leichter erreichbar sind als sie es noch für die Eltern waren. Das zeigt der große Teil der Menschen, die als Y-, Why-, Millennial- oder Tinder-Generation mitgelabelt werden. Manche sogar verheiratet. Manche sogar mit Haus, Hund und Kind. Manche werden niemals in einer Partnerschaft leben.

Doch vielleicht gerade aufgrund der zahlreich möglichen Lebensentwürfe schwappt hier und da etwas Wehmut über. Eine junge Journalistin klagte kürzlich in der Onlineausgabe der FAZ in einem Text mit dem Titel: “Warum meine Generation zu blöd für die Liebe ist”: “Wir sind wie Kinder in einem Spielzimmer, das so überfüllt ist, dass wir eine neue Modelleisenbahn brauchen, weil wir die alte nicht mehr finden. Ich wäre gern wie ein Kind, das seinen Teddy auch dann noch liebt, wenn sein Fell an Glanz verliert.”

 

 

Bildquellenangabe: Esther Stosch  / pixelio.de

 

Familien verstehen – Beispiele der methodischen Familiendarstellungen

von Juliane Künzel und Oliver Wolf

Familienstrukturen sind ebenso vielfältig wie die Farben und Facetten eines Kaleidoskops. Jede Familie impliziert ein bestimmtes Verständnis von Werten, Normen und Handlungsweisen. Die damit entstehende individuelle Familienphilosophie wurzelt in den einzelnen Familiengeschichten. Um ein besseres Verständnis für die familiären Muster zu entwickeln, können systemische Methoden weiterhelfen. In den folgenden Abschnitten wollen wir Ihnen kurz das Genogramm und das Familienbrett methodisch vorstellen.

Genogramme erfassen die Familienmitglieder und ihre Beziehungen über mindestens drei Generationen. Sie gewährleisten einen Überblick über komplexe Familienstrukturen, große Ereignisse, familiäre Dynamiken und Ressourcen. GenogrammIn einem Genogramm werden Symbole und Verbindungslinien verwendet. Diese können sowohl horizontal und damit im aktuellen
familiären Kontext als auch vertikal, das heißt über mehrere Generationen hinweg, betrachtet werden. Der Kreis dient der Darstellung einer weiblichen Person und das Quadrat symbolisiert ein männliches Familienmitglied. Die biologischen und rechtlichen Beziehungen werden durch Linien beschrieben. Kinder eines Paares sind durch senkrechte Striche mit der Paarlinie ihrer Eltern verbunden. Ist das grundlegende Familiengerüst des Genogramms gezeichnet, können zusätzliche Informationen wie Beruf, Religion, sexuelle Orientierung oder Wohnort der Familie ergänzt werden. Im weiteren Schritt können dann Hypothesen von familiengeschichtlichen Entwicklungen und Geschehnissen gebildet und interpretiert werden.

Ende der 70er Jahre entstand innerhalb einer Arbeitsgruppe um Kurt Ludewig das Familienbrett. Es bietet eine weitere methodische Möglichkeit um Familienstrukturen und familiäre Kommunikationsprozesse darzustellen. Dabei werden familienbrettFamiliensituationen mit Hilfe von unterschiedlich geformten Holzfiguren auf einem großen Holzbrett aufgestellt. Bei der Auswertung spielen Blickrichtungen, Beschaffenheit und Entfernungen der Figuren eine Rolle. So dient beispielsweise die Entfernung als Indikator für Abhängigkeit, Nähe, Kontakthäufigkeit oder Abgelöst-Sein. Das Familienbrett dient als Darstellungsmethode für besondere Familiengeschichten oder problematische Situationen. Berater und zu Beratende erhalten infolge der Aufstellung eine Außenansicht und können komplexe Gefühle externalisieren beziehungsweise systematisieren. Weiterhin werden Chancen, Herausforderungen und Lernfelder innerhalb der Familie sichtbar. Ein möglicher Standpunktwechsel kann so leichter gelingen.

Im calaidoskop betrachten wir Familien als einflussreichstes System des Individuums. Die gemeinsamen biologischen, rechtlichen, kulturellen und emotionalen Geschichten bedingen das Wohlbefinden eines jeden einzelnen Familienmitglieds.