Das Zwiegespräch: Die Glücksbedingung für Ihre Partnerschaft

Glückliche Paare unterscheiden sich von unglücklichen Paaren in einem wesentlichen Punkt: Die glücklichen Paare reden von Anbeginn mehr miteinander. Damit ist das wesentliche Miteinanderreden, das Sprechen über unsere Gefühle: Freuden, Ängste, Wünsche und Sehnsüchte eine Glücksbedingung. Allerdings besagen Studien, dass deutsche Paare heute kaum mehr als zwei Minuten pro Tag miteinander über persönliche Dinge sprechen. Das ist gefährlich! Denn mit der Sprachlosigkeit geht die Lustlosigkeit einher. Die meisten Paare tauschen ihr persönliches Erleben zu wenig aus. Somit können die einfachsten Konflikte nicht geklärt, die einfachsten Empfindungen nicht mehr geteilt werden:

“Enttäuschung, Trauer und entsprechende Zornmengen sammeln sich unterschwellig auf dem Boden der Beziehung. Wenn nichts mehr besprochen werden kann, wird jede Erotik unter der Last von Unerledigtem, Gereiztem und Resigniertem erstickt. Weltweit ist die Lust am Schwinden” (Moeller 2001d, S. 47).

Allerdings kann man der Sprachlosigkeit entgegenwirken. Und das geht mit Zwiegesprächen. Sie entwickeln und vertiefen die Beziehung durch eine Fülle von Momenten, vor allem durch die Steigerung der wechselseitigen Einfühlung. Und mit der Sprache, dem Kreislauf einer Beziehung, wird auch die Erotik wiederbelebt. Deshalb stellen wir ihnen diesen kleinen Geheimtrick hier vor.

Das Zwiegespräch

Das Zwiegespräch ist ein regelmäßiges ungestörtes Gespräch zu zweit von 1 ½ Stunden Dauer, also einem Treffen einmal in der Woche. Das Prinzip ist dabei: “Jeder hilft sich selbst und hilft dadurch dem anderen, sich selbst zu entwickeln”.

Die Entwicklungen sind nicht linear. Entwicklungsräume sind miteinander verwoben und führen zu 4 Hauptwirkungen, die die optimalen positiven Effekte einer Beziehung darstellen:

  1. Selbstbindung und Selbstgestaltung
  2. körperliche und seelische Gesundheit
  3. Einfühlung und Bindungsfähigkeit
  4. Erotisierung und Kreativität

Die enorme Wirkung von Gesprächen ist den meisten Menschen nicht bewusst. Aber tatsächlich ist das regelmäßige Unterhalten gleichbedeutend mit Lernen. Die vielen Resultate sind dabei beispielsweise:

  • dem anderen zuzuhören
  • uns selbst wahrzunehmen
  • sich einander zuzuwenden
  • dialog- und konfliktfähig zu werden
  • die Bedürfnisse des anderen und die eigenen Wünsche gleichrangig zu anzuerkennen
  • an Selbstvertrauen zu gewinnen

Mit dem Zwiegespräch werden wir fähig, uns und unsere Beziehungen kreativ zu gestalten. Diese Wirkungen ergeben sich durch das übende Erleben, das während des Zwiegesprächs ununterbrochen abläuft, und durch das wechselseitige Modell, durch das einer vom anderen lernt.

Wie funktioniert das Zwiegespräch?

Der Rahmen für ein gelingendes Zwiegespräch scheint so einfach, dass er oft nicht beachtet wird. Jedoch enthält er die Bedingungen, auf die es ankommt.

  1. Vereinbaren Sie gemeinsam einen Haupt- und einen Nebentermin von 1 ½ Stunden Dauer pro Woche.
  2. Setzen Sie sich im Zwiegespräch face á face gegenüber.
  3. Das Thema lautet: Ich erzähle dir, was mich zurzeit am stärksten bewegt – sei es innerhalb oder außerhalb der Beziehung.
  4. Schweigen und schweigen lassen, wenn es sich ergibt. Zwiegespräche sind kein Offenbarungszwang.
  5. Beachten Sie für das erste Jahr die Viertelstundenregelung: Die erste Viertelstunde hat der eine, die nächste der andere. Dann noch einmal ein doppelter Wechsel.
  6. Pünktlich beginnen, pünktlich aufhören. Zwiegespräche nie verlängern oder verkürzen.
  7. Bei sich bleiben – man hat in der Welt des anderen nichts zu suchen.
  8. Bildersprache: Erläutern Sie sich in kleinen, konkret erlebten Szenen.
  9. Die Revolution des Alltags lautet dementsprechend: Alles ist zu zweit gemacht – weder du noch ich können allein „schuld sein“

Es klingt so simpel, dass das Zwiegespräch oft zu kurz kommt oder ganz unterlassen wird. Doch zögern Sie nicht. Vereinbaren Sie noch diese Woche einen Termin mit Ihrem Partner. Nehmen Sie sich Zeit für einander um sich selbst und Ihre Beziehung weiterzuentwickeln. Es gibt nichts Schöneres, als nah bei unserem Partner zu bleiben und zu wissen, was ihn aktuell bewegt. Außer vielleicht die daraus resultierende Bewunderung, welche häufig in sexuelle Anziehung umschlägt. Genießen Sie einander.

 

Von Lisa Mucke

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