Die 4 apokalyptischen Reiter, mit denen Sie mitten auf eine Trennung zusteuern

Oft scheint es aus dem Nichts zu kommen. Klar, es kriselt schon eine Weile bei Ihnen, aber im Großen und Ganzen liebt man sich doch. Und plötzlich steht die Trennung vor der Tür, denn so kann man einfach nicht weiter machen.

Ein häufiges Problem in Beziehungen ist, dass sich Muster einschleichen, die unerkannt bleiben und am Ende eine Trennung verursachen. Wenn man diese früher erkennen würde, könnte man sofort gegen sie vorgehen. Sie hätten keine Chance sich einzuschleichen, sondern würden regelmäßig bereinigt werden und somit weitreichende Schäden verhindern. Glücklicherweise hat John Gottman, Amerikas führender Psychologe im Bereich Paartherapie 4 apokalyptische Reiter aufgestellt, welche genau diese Muster benennen.

Es handelt sich hierbei um Kommunikationssünden, welche eine intime Beziehung dauerhaft ruinieren. Kleinigkeiten, die sich unauffällig einschleichen und mit der Zeit so groß werden, dass sie zur Trennung jedes Paares führen. Wir stellen sie Ihnen in diesem Artikel vor, damit Sie bei sich gucken können, welche vielleicht schon da sind und diese mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin beseitigen.

1. Kritik

Häufig fängt es bei Kritik an. Wenn Sie bemerken, dass Sie Ihren Partner/Ihre Partnerin häufig kritisieren und es sich hier vor allem um personenbezogene Kritik handelt, sollte dies ein Warnsignal für Sie sein. Den Partner/die Partnerin zu kritisieren und das häufig und generalisiert, anstatt selten und in spezifischen Situationen, ist ein klares Zeichen, dass es an Wertschätzung und Verständnis in der Beziehung mangelt. Wenn dies der Fall ist und diese nicht wiederhergestellt wird (wodurch Kritik automatisch nachlässt), ist die Trennung nicht weit. Sollten Ihnen Sätze wie: „Warum sind Dir andere Leute immer wichtiger als ich? Ich wollte den Abend mit Dir allein verbringen!“ bekannt vorkommen, sollten Sie unbedingt weiterlesen.

2. Verachtung

Vielleicht kennen Sie solche Paare: einer verdreht die Augen, der andere reagiert mit abschätzigem Humor. Es scheint, als würden die beiden sich vor anderen schlecht machen wollen. Sie reagieren prinzipiell zynisch und permanent haben sie einen vorwurfsvollen Unterton. Sollten Sie je bei solch einem Paar zu Abendbrot gegessen haben, wissen Sie, wie unangenehm die Situation für alle beteiligten ist.

Ziel der Paare ist es in einer solchen Konstellation nicht, ein Problem zu lösen, sondern den Partner/die Partnerin abzuwerten. Das ist ein klares Zeichen für eine ungesunde Kommunikation und daraus folgend eine ungesunde Beziehung.

Ab und zu spielerisch sarkastisch miteinander umzugehen ist selbstverständlich kein Problem und kann belebend für die Beziehung sein. Aber dauerhaft ist Verachtung dem Partner/der Partnerin gegenüber, ein Zeichen für verdeckte und ungelöste Konflikte, aus denen mangelnde Empathie resultiert.

3. Rechthaberei

Die meisten kennen es von Teenagern: sie probieren sich aus, testen ihre Grenzen und um sich zu beweisen, haben sie immer das letzte Wort. Sie wollen permanent Recht haben. Was bei den meisten mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter endet, ist bei gefährdeten Paaren Alltag.

Sie begegnen einander nicht auf Augenhöhe, sondern versuchen ihre Position zu verteidigen. Es kann nicht zugelassen werden, dass der Partner/die Partnerin Recht behält. Permanent muss die eigene Überlegenheit über den Partner/die Partnerin demonstriert werden.

Dies führt in schlimmen Varianten zu einer weiteren Stufe: der Demonstration der eigenen Macht. Beide Partner fühlen sich in der Beziehung unwohl und so wenig gesehen, dass sie dem/der anderen beweisen müssen, wie viel Macht sie haben und wie gut sie auch ohne ihren Partner/ihre Partnerin klarkommen.

4. Mauern

Man ist mitten im Gespräch und plötzlich beendet die andere Person dieses und lässt nicht mehr mit sich reden. Sie verlässt die Situation und verweigert jegliche Antwort. Was allgemein als ignorieren bekannt ist, wird von Gottman auch als Verweigerung des Kämpfens bezeichnet.

Das sogenannte Mauern ist der vierte und letzte Reiter. Hierbei ist an den Partner/die Partnerin nicht mehr heranzukommen. Jede der Form Auseinandersetzung ist unmöglich und trifft auf anhaltendes Schweigen und Meiden des Gesprächs.

Viele unterschätzen diese Form der Kommunikation. Man kann Sachen auch „zerreden“ und „warum müssen wir reden? Das ist so anstrengend. Es ist doch alles gut“, sind allgemein anerkannte Glaubenssätze unserer Gesellschaft. Aber das ist ein Trugschluss und zudem enorm gefährlich. Gespräche nicht fortzuführen, Konflikte nicht zu lösen sind Zeichen von extremer Abweisung und Resignation. Dies fühlt sich für den Partner abwertend an. Er/Sie ist es nicht wert, dass man sich mit ihm/ihr auseinandersetzt und an der Beziehung arbeitet. Das tut weh.

 

Spannend ist, dass sich im Verhalten Geschlechtsunterschiede zeigen. Frauen neigen eher zum Kritisieren des Partners, während bei Männern das Mauern stärker ausgeprägt ist.

Selbstverständlich hat jedes Paar Phasen, in denen man gestresst ist und einige dieser Reiter hervorkommen. Aber sie gehen auch wieder und dies ist das Entscheidende. Wenn sie langfristig an der Tagesordnung stehen, sollten Sie sich dringend Gedanken machen, was Sie dagegen tun können und sich notfalls die passende Unterstützung suchen.

Wenn Sie dazu Ihren Fokus statt auf die negativen Anzeichen darauf lenken wollen, wie Sie miteinander wertschätzend kommunizieren können, finden Sie hier die Grundlagen zu gewaltfreier Kommunikation.

Wenn diese Zeichen auf Sie zutreffen, zeigen sie Ihnen, dass etwas in Ihrer Beziehung nicht stimmt. Aber mehr noch: sie zeigen Ihnen, dass jetzt der Zeitpunkt ist, etwas daran zu verändern. Niemand von uns möchte den eigenen Partner/die eigene Partnerin kritisieren, vor anderen schlecht machen, ignorieren oder uns über ihn/sie stellen. Wir alle wünschen uns einen Partner/eine Partnerin, dem/der wir auf Augenhöhe begegnen können, vor dem/der wir schwach sein dürfen, zu dem/der wir aufblicken und hinter dem/der wir stehen. Also gehen Sie es an und lassen Sie nicht zu, dass diese Kommunikationsmuster Ihnen die Person nehmen, die Ihnen eigentlich am Wichtigsten ist.

 

Von Lisa Mucke